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Samurai Premium II von Böker

August 13, 2008

Vor Kurzem habe ich mir das Samurai Premium II Katana von Böker bestellt. Da die Katalogbeschreibung nicht wirklich viel hergegeben hat, war ich schwer auf das gute Stück gespannt. Laut Beschreibung hat das Premium II „eine geschmiedete Klinge aus hochlegiertem Kohlenstoffstahl“ ist „beeindruckend scharf“ und hat eine „Griffwicklung mit echter Rochenhaut-Unterlage“. Was dabei etwas stutzig macht ist der Preis. Man bekommt das Teil für knapp 150 Euro.

Alle die sich auch nur ansatzweise mit Katanas beschäftigen, wissen was ich meine, für die anderen eine kurze Erklärung: Sicher, du hast schon Samuraischwerter für 35 Euro gesehen. Für 50 Euro bekommst du dazu ein Wakizashi und ein Tando und der Ständer ist auch noch mit dabei. Vergess es. Das ist Müll aus rostfreiem 420er oder 440er Stahl. Die Dinger sind protzig aufgemacht, aber du darfst sie dir nur an die Wand hängen. Komm nie auf die Idee, sie für Tameshigiri oder Iaido zu verwenden. (Nur für’s Protokoll: Ja, ich hatte solche Teile auch daheim stehen und ja, ich hatte mit dem Gedanken gespielt, mich in Connor McLeod umbenennen zu lassen, aber man wird älter und lernt ein oder zwei Dinge dazu, mit etwas Glück :-) ). 150 Euro zahlt man oft schon für ein gutes Messer. Für ein Schwert, dass für sportliche Zwecke verwendet werden soll ist das, wie der Anglais sagt, next to impossible.

Nun aber zur Sache, sprich zu dem Katana, das mir Kevin, wie ich unseren Postman nenne, nach einer ultra kurzen Wartezeit gebracht hat. Fangen wir am Besten mit einer Gesamtübersicht an.

Das Katana wird in einer netten stoffüberzogenen Kiste, inkl. eines Transportbeutels geliefert. Hier einige Detailaufnahmen:

Hier einige Fakten zu meinem Premium II: Katana und Saya (Scheide) wiegen zusammen ca. 1.250 g. Das Katana alleine wiegt knapp über 1.000 g. Es ist gut ausbalanciert und liegt dementsprechend leicht in der Hand. Die Gesamtlänge beträgt ca. 103 cm. Die Klinge hat eine Länge von knapp 70 cm. Die durchbrochene Tsuba gefällt mir sehr gut. Der Griff ist an der Angel mit 2 Mekugis (Haltedübel) befestigt. Der erste nach ca. 4 cm, der zweite nach ca. 20 cm. Das deutet darauf hin, dass die Angel weit in den Griff hinein reicht. Fuchi (Schwertzwinge) und Kashira (Knauf) sitzen etwas locker und haben dementsprechend Spiel (könnte besser sein). Die Menukis (Griffzierrat) sind goldfarben, die Griffwicklung und die Unterlage schwarz. Meiner Meinung nach sieht das ziemlich cool aus. Ob die Griffunterlage tatsächlich aus echter Rochenhaut ist kann ich nicht sagen (bisher habe ich noch nie einen Rochen betatscht und werde das auch in Zukunft unterlassen um nicht das Schicksal des crocodile hunter zu teilen). Das Katana sitzt gut, aber nicht sehr fest in der Saya. Wenn man das Schwert an der Saya, Tsuka (Griff) nach unten hält, löst sich das Katana nicht. Die Klinge hat eine beidseitige Hohlkehle (Hi) und nur eine relativ leichte Krümmung (Sori ca. 1,5 cm), was mir sehr gut gefällt. Soweit ich das erkennen kann, ist die Klinge aus Monostahl ohne Differentialhärtung, sprich, Mune (Rücken) und Ha (Schneide) haben die gleiche Härte, schätzungsweise 55 Rockwell.

Beim Papiertest konnte das Premium II leider nicht richtig überzeugen. Die Schärfe ist nicht schlecht, könnte aber besser sein. Als nächster Test stand Tameshigiri mit leichten Zielen (Tatami omote) an.

Auch hier konnte das Premium II nicht wirklich überzeugen.

Das Vergleichskatana hat eine deutlich bessere Performance gezeigt. Wobei Jens McLeod auch mit dem Premium II einige saubere Schnitte zustande gebracht hat.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Premium II ein gutes Stück von einem richtig guten Schwert entfernt ist. Zu diesem Preis jedoch überhaupt ein funktionstüchtiges Schwert zu bekommen ist der Hammer und auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Abschließend muss noch gesagt werden, dass die hier gezeigten Personen bestimmt mal Profis werden, wenn sie groß sind. Die erwähnten Tests und gezeigten Übungen wurden, bei allem Spaß, unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ausgeübt. Eigene sportliche Übungen sollten ausschließlich unter Anleitung eines qualifizierten Lehrers durchgeführt werden. Bei Interesse könnte es helfen folgende Begriffe zu googeln: „Shinkendo Deutschland“, „wissen will wie geht“.

Viel Spaß dabei.

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