
Änderung Waffengesetz
März 3, 2008Erfolg !!!
Unser Land wird wieder ein gutes Stück sicherer. Nachdem das Waffengesetz 2002 verschärft wurde, war es mal wieder höchste Zeit für eine weitere Anpassung. Jetzt ist es endlich so weit.
Wie geht man dabei am Besten vor? Ganz klar, man bildet eine Expertenrunde bestehend aus den klügsten Köpfen, blitzgescheite Leute, praktisch veranlagt mit einem ausgeprägten Bezug zur Realität die wissen wovon sie reden. OOOOkay, was aber wenn das Alphateam mit etwas Wichtigerem beschäftigt wäre. Kein Problem, die zweite Garde stünde sicher bereit. Na ja, falls sie nicht Resturlaub abbauen müsste. Dann wären wenigstens die Bemühten verfügbar?!? Es sei denn, die steckten im Stau fest. Sollten alle Stricke reissen, könnte man immer noch die Leute nehmen, deren Stärken vielleicht nicht so ohne weiteres zu erkennen sind, die aber bestimmt auch wertvolle Menschen sind, irgendwie. Ist jetzt ja auch egal, wer die Sache dann übernommen hat, so könnte jedenfalls der entsprechende Entwurf aussehen (für alle, die es genau wissen wollen).
anderung-waffengesetzt-bundesrat_701-07.pdf
Grob gesagt wird es über die bisherige Regelung hinausgehend also verboten sein Messer zu tragen, die
- eine feststehende Klinge von mehr als 12 cm haben
- eine einhändig feststellbare Klinge (Einhandmesser) haben
Diese Teile werden dann als Waffen definiert und sind damit schlimm, schlimm, böse, ganz böse, verboten. Schließlich sind es ja diese “Waffen”, die Menschen verletzten und nicht die Leute, die sie tragen. Wenn man die Teile benennt, genau definiert und aus der Gleichung streicht, dann kann nichts mehr passieren. Yeah, Problem gelöst, high five, Stößchen, die Welt wird zu einem besseren Ort. Ist schließlich eine super Idee die Symptome anstatt der Ursachen zu bekämpfen. Das wird doch überall und immer so gemacht, ist einfacher, viel unaufwändiger und man muss auch nicht so voll arg ganz klug sein um seinen Senf dazu zu geben.
Klar, ich weiß was du sagen willst, du trägst seit 20 Jahren solche Messer, genau wie viele Leute die du kennst. Du hast sie grob geschätzt 2.436 mal benutzt. Du hast damit Obst und Pizza geschnitten, Seile, Tape, Isolierband durchtrennt, Kartons geöffnet und zerkleinert, Briefe und jede Art von Verpackung geöffnet, auf Wanderungen, beim Camping und bei unzähligen anderen Aktivitäten kamen die Messer zum Einsatz. In all den Jahren hast du nie einen Menschen damit angegriffen oder verletzt. Wie langweilig, du hast nicht einmal jemand damit bedroht, du bist wirklich mal eine Bedrohung der Öffentlichkeit für Arme.
Aber hey, wenn die Welt dadurch zu einem besseren Ort wird, dann verzichtet man doch gern auf den Komfort eines universell einsetztbaren Werkzeuges. Und außerdem, was beklagst du dich eigentlich? Es handelt sich hier ja nicht um ein Totalverbot. Bei einem berechtigten Interesse darfst du immer noch ein Messer mit dir führen. Du darfst eben nicht planlos in den Tag hinein leben. Setz dich morgens einfach hin und plane den Tag sehr sorgfältig. Sollte der Einsatz eines Werkzeuges einen bestimmten hohen Wahrscheinlichkeitsgrad übersteigen, dann nimm das Messer unbesorgt mit. Es wäre allerdings sinnvoll, die Überlegungen und detailierten Einsatzwahrscheinlichkeiten schriftlich zu fixieren und diese Notizen mit dir zu führen. Bei einer Diskussion mit den Ordnungshütern im Rahmen einer Kontrolle hätte man dann plausible Argumente auf seiner Seite. Die Unschuldsvermutung ist sowieso eine sehr lästige Sache. Einfacher und bestimmt kostengünstiger wäre es, häufiger mal die Leute unter Generalverdacht zu stellen. Sollte das dem ein oder anderen Störenfried nicht schmecken, so hat er ja immer noch die Möglichkeit seine Unschuld zu beweisen.
Man muss es von der positiven Seite sehen. Die Verschärfung gilt ja nicht nur für die rechtschaffenen Menschen. Die Bösen, Fehlgeleiteten und die Kriminellen betrifft das ebenso und weil die das nicht mehr dürfen, haben sie jetzt auch keine gefährlichen Waffen mehr dabei. Mann, es muss an unserem Kraftfutter liegen, dass erst jetzt jemand auf diese glorreiche Idee gekommen ist. Errichtet ein Denkmal für den Verantwortlichen, am Besten auf einem Pferd sitzend, den Blick Richtung Sonnenaufgang wäre schön.
Ich weiß, ich bin nur ein geringer Diener der großen Sache, aber auch ich möchte meinen Teil beitragen, deshalb habe ich einige ergänzende Vorschläge:
- Wenn ich in der Zeitung lese, dass jemand mit einem Messer verletzt oder sogar getötet wurde, dann handelte es sich bei der Waffe fast immer um ein Küchenmesser. Es sollte gesetzlich geregelt werden, dass Nahrungsmittel nur noch in mundgerechten Stücken verkauft werden dürfen. Dadurch würde der Einsatz von Küchenmessern überflüssig und sie könnten verboten werden.
- Ich sehe eine große Gefahr im freien Verkauf von Schraubenziehern, Eispickeln und ähnlichen Waffen. Der Verkauf sollte nur noch an Personen mit einer entsprechenden Fachausbildung gestattet werden. Alternativ oder im Rahmen einer Übergangsregelung wäre es möglich, diese Gegenstände mit einer Sollbruchstelle zu versehen.
Es ist mir natürlich bewußt, dass es einfacher ist, einen zu bearbeitenden Gegenstand in einer Hand zu halten und ohne abzusetzten mit der anderen Hand ein Messer zu öffnen und die notwendigen Arbeiten zu erledigen. Sicher, eine automatische Arretierung der Klinge senkt das Verletzungsrisiko dabei beträchtlich. Aber seien wir doch einmal ehrlich, sind wir nicht alle viel zu bequem geworden? Szenario: Du befindest dich auf dem Recyclinghof und möchtest einen Karton zerlegen. Ok, angenommen ein Messer wäre dabei eine große Erleichterung. Muss die Sache wirklich unbedingt unter einer Minute zu machen sein? Du kannst doch auch zum Auto gehen, die gesicherte und verstaute Tasche öffnen, das Etui entnehmen, das Taschenmesser öffnen (besser wäre es, die Einzelteile zusammen zu setzen), die Schnitte zu machen und danach das ganze in umgekehrter Reihenfolge zu tun. Sollte sich die Klinge dabei versehentlich schließen und dir einen üblen Schnitt in die Finger zufügen: Hey, das ist nur ein kleines unbedeutendes Opfer. Was zählt ist die Sache.
Eine Stellungsnahme der Firma Böker findest du auf iher Homepage www.boker.de
Endlich: Neues Waffengesetz macht Deutschland sicher!
Heute, am 14. März 2008, ist Deutschland wieder ein ganzes Stück sicherer geworden: Marodierenden Banden, die mit Küchenmessern und Spielzeuggewehren durch die Lande zogen und arglose Bürger terrorisierten, wurde dank des heroischen Eingreifens von…
Das war ein wirklich netter Artikel. Ich hab mich selbst auch daran versucht, aber mir platzt jedes Mal der Kragen, wenn ich mich mit dem Thema und der zu Grunde liegenden Frage “wie viel Vertrauen erwarte ich eigentlich von dem Staat, in dem ich lebe?” beschäftige. Zumal, da schätze ich den Absatz über das “Alphateam” in Artikel hier sehr, ja auch die Frage im Raum steht, wie man einem Staat vertrauen sollte, dessen Gesetzesfindung derartig abstrus ist. Schließlich waren ja zumindest zwei Fachleute in der Anhörung dabei – nur hat da eben keiner zugehört. Himmel, sogar der Lobbyist von der GdP war überraschend moderat. Und dann diese Entscheidung…
Egal, nochmals Chapeau! zu diesem Artikel. An dieser Stelle eine kurze Werbung für die Aktion “12 Punkte zum WaffG 2008″ machen, die ich so gut fand, dass ich sie aktuell mit Hosting versorge. Auch wenn ich nicht sicher bin, dass eine derartige rationale Beschäftigung mit dem Thema sinnvoll ist – die Gesetzesgeber waren es ja auch nicht.