Es ist Donnerstag, der 20. Dezember. Seit ein paar Tagen ist es schon eiskalt, die Sonne scheint, die Luft ist klar und es ist einfach super schön. Welcher Gedanke geht Einem bei so einem Wetter nicht aus dem Kopf? Riiiischdisch, draußen schlafen, draußen schlafen !!! So ganz kurzfristig frage ich bei Jürgen an, ob er Böcke hätte. Er muss zwar knechten, ist aber trotzdem spontan bei einer Session dabei und bringt noch 24 kleine grüne Freunde mit, die alle auf den Namen Beck’s hören.
Wir treffen uns um 21 Uhr, draußen im Grenzgebiet, irgendwo zwischen dieser Welt und der anderen. Huuuh, es ist gut schattig und es geht ein recht frischer Wind. Aber wie geil, der Himmel ist wolkenlos und der Vollmond strahlt wie ein Flutlicht. Klar, man sieht die üblichen Verdächtigen am Himmel, den großen Wagen und Cassiopeia, aber den Himmelsjäger sieht man nur im Winter und so ist es immer wieder eine Freude Orion begrüßen zu dürfen.
Jürgen hat mich im letzten Bericht pfinzen gehört und bringt mir ein Paar Handschuhe mit. Super, vielen Dank dafür !!! Das Feuer zu entfachen ist bei dem Wind etwas actig, klappt schließlich aber doch noch. Aaaah, so ist es gleich besser.
Es gibt eisgekühltes Bier und für den gemütlichen Teil des Abends wird der Grill angeworfen. Apropos natural refrigerator und cooler Typ: Ein paar Tage später will sich Jürgen noch ein Bier genehmigen. Er öffnet die Flasche, setzt an und nach ca. 2 Schluck fängt das Bier an in der Flasche zu gefrieren. Beweisfotos dazu kannst du bei Jens bekommen
Doch zurück zum Bericht.
Wir hängen noch einige Zeit rum und haben einen entspannten Abend. Gegen 2300 macht Jürgen den Abflug. Mein Nachtlager habe ich schon vorher aufgebaut. Gleiches Equipment wie die beiden letzten Male. Allerdings habe ich heute den Schlafsack bereits mittags aus dem Kompressionssack geholt, um der Kunstfaserfüllung noch mehr Zeit zum Ausdehnen zu geben. Mein „Adventure“ läuft als „Drei-Jahreszeiten-Schlafsack“. Ich schätze das soll heißen, dass es einem im Sommer darin zu heiß wird
. Kleine Überlegung vom Nachmittag: Es heißt ja, dass Erfrieren ein angenehmer Tod sein soll, da man einfach einschläft. Heißt das, mir wird furchtbar kalt, ich werde schläfrig und checke dann aus? Oder aber, ich schlafe ein, die Kälte überrumpelt mich und wenn ich wieder aufwache merke ich, dass ich tot bin? Fragen über Fragen, aber das kann ich jetzt beim besten Willen nicht zu sehr vertiefen
So gegen Mitternacht krabbel ich in den Schlafsack. Die Hose kommt wieder als Kissen in die Kapuzentasche. Die Jacke nehme ich heute mit in den Schlafsack. Erstens halten sich meine Böcke in Grenzen am nächsten Morgen in eine steifgefrorene Jacke zu steigen und zweitens wird dadurch das freie Volumen im Innenraum reduziert und mein Körper muss weniger heizen. Für alle Fälle habe ich auch noch ein Wärmekissen dabei. Die Teile sind recht nett. Solange sie in ihrem Plastikbeutel sind passiert nichts. Kommen sie aber mit Sauerstoff in Berührung fangen sie durch einen Oxidationsprozess an zu heizen. Angeblich können sie innerhalb eines Monats 20 Stunden lang bis zu 40 Grad warm werden. Ok, sie sind ziemlich klein, das heißt Sauna ist anders, aber vielleicht sind sie ja das Zünglein an der Waage.
Erstaunlicherweise komme ich auch dieses Mal nicht zum Frieren. Es ist zwar deutlich kälter als letztes Mal und die -5 Grad Grenze ist auf jeden Fall geknackt, trotzdem ist es auszuhalten. Im Biwaksack bildet sich aber Kondenswasser und am nächsten Morgen knirscht es beim Bewegen weil, wie krass, die ganze Außenseite mit Raureif überzogen ist
Ok, jetzt aber zum Morgen: Es ist eiskalt, alle Oberflächen sind gefroren und es ist einfach klasse.
Wie beim letzten Mal versprochen, kommt heute der neue Kocher zum Einsatz. Es ist ein Spirituskocher von Trangia den mir Andi empfohlen hat. Vielen Dank an dieser Stelle für den Tipp, das Demoteil und den wichtigen Hinweis, unbedingt die Version mit dem Wasserkessel zu nehmen. Das Teil ist super, Brenner, Windschutz, 2 Töpfe, eine Pfanne und ein Wasserkessel. Alles zusammen kompakt und leicht.
Klingt ja alles toll, gibt es hier aber auch was zu lernen? Na klar, Physik in Anwendung: Ich öffne eine Flasche mit (flüssigem) Wasser. Sobald das Wasser mit dem Wasserkessel in Berührung kommt, wächst ein Eisstalagmit aus dem Kessel heraus. In der Flasche selber bilden sich Eisschlieren bis gar nichts mehr geht. Der Spiritus brennt erst nach gutem Zureden, danach geht es aber ab wie Feuer, normal
Nach weniger als 10 min kocht das Wasser und dann gibt es endlich einen schönen heißen und starken Kaffee. Als genau in dem Moment am Horizont auch noch die Sonne aufgeht wird es fast schon kitschig.
Fazit 1: Das war mal wieder ein richtig super Event. Es gibt ja Leute, die an meinem Geisteszustand zweifeln, wenn ich sie frage, ob sie dabei sind (Maus, Oli, ..
). Aber hey, das denke ich daheim auch zuerst, aber danach ist es nur zu geil. Unbedingt probieren
Fazit 2: Im letzten Outdoorbericht habe ich mir zwei Dinge gewünscht: Handschuhe und einen Kocher. Beides ist in Erfüllung gegangen. Dieses Mal bin ich bescheiden und wünsche mir nur eine Sache: WELTFRIEDEN !!!


