
Outdoortest ?!? 03.11.2007
November 5, 2007Es ist Samstag Abend, auf diesen Moment haben die zwei tapferen Recken gewartet. Heute werden wir der unbarmherzigen Natur trotzen. Wir werden Körper, Geist und Equipment bis ans Limit ausreizen.
Ist es Angst, die mit eiskalten Fingern nach unseren Herzen greift? Nein, nicht Angst, aber gesteigerte Wahrnehmung und eine gespannte Unruhe. Dies ist der Augenblick in dem wir mit einer Stimme rufen: Wir werden nicht schweigend im Dunkel der Nacht vergehen.
Vor Jahren hat Jürgen den Plan aufgestellt, jeden Monat mindestens einmal draußen zu übernachten. Zugegeben, in den letzten Jahren habe ich das etwas vernachlässigt, aber in letzter Zeit wird die Stimme im Hinterkopf immer lauter die mich dazu auffordert, den faulen Gluteus von der Couch in die Prärie zu schieben. Die letzten Wochen habe ich meine Freizeit damit verbracht ein schönes Spiel zu spielen: Pimp my Equipment. War höchste Zeit. Durch das Outdoormuffeln der letzten Jahre hat sich ein ziemlicher Investitionsstau bei meiner Ausrüstung ergeben. Vieles mußte ersetzt oder komplett neu angeschafft werden, was natürlich zur Folge hat, dass ich keine Ahnung habe, bis zu welchem Punkt mir die Ausrüstung treu zur Seite steht und ab wann ich anfangen muss, mir warme Gedanken zu machen.
Klar, das Wichtigste ist natürlich ein guter Schlafsack. Zusätzlich habe ich mich, nach längerem Überlegen, für ein Tarp und einen Biwaksack entschieden. Alternativ hatte ich ein Einmannzelt auf dem Plan, aber irgendwie reizt mich momentan die Vorstellung mehr, (annähernd) ganz unter freiem Himmel zu schlafen. Da gibt es jede Menge netter Sachen, wobei man locker ein Monatsgehalt ausgeben kann. Ich konnte mich gerade noch beherrschen und bin sowohl beim Schlaf- als auch beim Biwaksack noch knapp im zweistelligen Bereich geblieben.
Der Schlafsack ist der “Adventure” von Four Seasons, Komfortbereich (gemessen an einer Standard-Frau
) liegt bei 0°, der Übergangsbereich (gemessen an einem Standard-Mann
) bei -6°, darunter fängt das Klappern an, bis -21° kommt es von den Zähnen, danach vom Gerippe des Sensemanns
Beim Biwaksack habe ich lange gesucht. Modelle gibt es zwischen ca. 20 Euro (sind im Prinzip Plastiksäcke) bis zu 500 Euro (die dann aber vermutlich ziemlich schwer sind, da bei dem Preis mindestens ein Fernseher eingebaut sein muss). Grundsätzlich hat man bei Biwaksäcken das Problem der Kondenswasserbildung im Inneren. Vor allem bei den billigen Teilen muss das richtig übel sein. Super, Regen ist keiner durch gekommen, aber ich bin im eigenen Saft geschmort. Nach Möglichkeit sollte er aus Gore-Tex bestehen um die Probleme zu reduzieren. Ich habe einen von A.S.M.C. geholt, Material ist Breathatex (was immer das auch sein mag, klingt aber zumindest atmungsaktiv
). Da sich der Preis in Grenzen hält schätze ich, dass ich die Atmungsaktivität mit verminderter Wasserdichtigkeit bezahlen muss. Deswegen habe ich zum zusätzlichen Schutz noch ein Tarp mit einigem Befestigungsequipment besorgt.
Ok, zurück zum Test. Es ist so bewölkt, dass man keinen Stern am Himmel sieht. Dadurch wird es aber auch nicht wirklich kalt. Wir sitzen also gediegen am Lagerfeuer, trinken ein paar Bier und werfen den Grill an.
Ein richtig schöner Abend im Freien, wie in einer lauen Sommernacht, nur ohne die lästigen Mücken. Es fallen kaum ein paar Regentropfen, so dass wir nicht einmal das Tarp aufbauen müssen. Feldbett, Isomatte, Schlaf- und Biwaksack sind voll ausreichend.
Was soll ich sagen, ich friere überhaupt nicht, aber in dieser Nacht läßt sich auch in Boxershorts dem Ruf der Natur folgen. Versteht mich nicht falsch, ich will mich nicht beschweren. Es war ein richtig schöner und angenehmer Abend. Aber Körper, Geist und Equipment waren doch etwas weit im grünen Bereich. Der wirkliche Test steht uns noch bevor und es wird wohl eine andere Gelegenheit sein, bei der wir nicht schweigend im Dunkel der Nacht vergehen
Es gibt den angenehmen und den spaßigen Weg und beide sind leicht voneinander zu unterscheiden.