Archiv für Oktober 2007

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Klingen kreuzen – 20. und 21.10.2007

Oktober 26, 2007

Letztes Wochenende war ich bei einem Schwertseminar, organisiert von Renate und Martin. War richtig klasse aufgezogen in einer absolut stilvollen Kulisse. Die Einstimmung gab es bei einem Rundgang durch die Altstadt von Bad Wimpfen, das eigentliche Seminar fand dann im Hof der Burg bei Heinsheim statt. Die Teilnehmer hatten zwar ihre Wurzeln in den asiatischen Kampfkünsten (Karate, Ju-Jutsu, Kobudo, Shinkendo, …) und waren dementsprechend alle mit Bokken ausgerüstet, Thema des Seminars war aber das europäische Langschwert, der Eineinhalbhänder.

Der Referent hat den Backround und die Waffen der Leute aber berücksichtigt und zum Großteil Techniken gezeigt, die auch gut mit einem Katana, also einer einschneidigen Waffe ausgeführt werden können.

Ich weiß, ich weiß, konzentriere dich auf eine Sache richtig und tanze nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig. Ist mir schon klar, aber es hat mal wieder richtig Spaß gemacht und es war mal wieder schön, das gute Hickory Bokken zu schwingen. In den letzten Tagen hole ich es wieder öfters von der Wandhalterung um es liebevoll zu tätscheln :-)

Natürlich gibt es beim europäischen Schwert einige Besonderheiten, aber es ist auch interessant, wie ähnlich viele Techniken dem japanischen System sind. Wie hat es einer so schön ausgedrückt: „Gleiche Problemstellungen unter ähnlichen Bedingungen führen unabhängig voneinander zu vergleichbaren Ergebnissen“.

Wir haben sehr intensiv Basistechniken trainiert. Das Grundschlagmuster, Angriffe, Paraden und einfache Konter. Früher haben mich die vielen Wiederholungen schnell gelangweilt, inzwischen finde ich die Wiederholungen und das Feilen und Verfeinern der Technik aber richtig gut (meistens jedenfalls). Wird wohl das Alter sein ;-)

Neben dem praktischen Teil gab es noch einen Überblick über entsprechende Literatur. Dafür bin ich immer zu haben und habe festgestellt, dass bei mir im Regal einige der „Muss-man-unbedingt-haben“-Werke stehen. Außerdem gab es noch eine kleine Präsentation von verschiedenen Schwertern mit der Möglichkeit, sie mal in die Hand zu nehmen und zu schwingen. Bei so etwas habe ich immer ein Leuchten in den Augen (ihr wisst schon, die Kinder und der Weihnachtsbaum) und ein Kribbeln in den Fingern. War vermutlich nicht schlecht, dass ich ziemlich unter Zeitdruck war und vorzeitig gehen musste, sonst hätte ich vermutlich ziemlich viel Geld ausgegeben und dafür ordentlich Ärger bekommen :-)

Jedenfalls wirkt das Seminar noch immer nach und ich freue mich schon auf die nächste Gelegenheit das Schwert oder Bokken zu schwingen.

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Was ist Ju-Jutsu wert?

Oktober 10, 2007

Was es wert ist? – Nichts !!!

Umdrehen, ein Schritt, ein zweiter, dritter, vierter und fünfter. Anhalten, Blick über die Schulter, lächeln – Alles !!!

Es gibt böse Zungen, die behaupten: „Ihr könnt alles, aber nichts richtig“. Besser gefällt mir: „Ju-Jutsuka sind die, die besser treten als die Ringer, besser boxen als die Judoka, besser werfen als die Boxer und im Bodenkampf besser sind als die Kickboxer“.

Du willst einen Kampfsport lernen, bei dem Elemente aus fast allen Bereichen des Nahkampfes enthalten sind: Du brauchst nicht weiter zu suchen. Ju-Jutsu beinhaltet Tritt-, Schlag-, Wurf-, Hebel-, Würge- und Nervendrucktechniken. Gegen einen oder mehrere Gegner, im Stand oder in der Bodenlage, mit bloßen Händen oder mit Waffen.

Entstanden ist Ju-Jutsu (DJJV-Version) Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Ursprünglich wurden hauptsächlich Techniken aus dem Judo, Karate und Aikido genommen um ein neues (Hybrid-)System zu schaffen. Über diesen Umweg läßt es sich aber auf seine japanischen Wurzeln, auf die Kampfkunst der Samurai, Jiu-Jitsu oder auch Ju-Jutsu zurück führen. Der Plan war, ein neues und effektives Selbstverteidigungssystem zu schaffen. Es sollte nicht statisch sein, also ohne den verehrungswürdigen alten Mann, der auf einen Berg stieg, den Kampf einer Heuschrecke mit einer Kellerassel beobachtete und danach mit in Stein gehauenen Regeln einer neuen Kampfkunst zurück kam. Es sollte sich an eine sich ändernde Welt mit wechselnden Ansprüchen an eine Kampfkunst anpassen. Wenn sich Techniken und Prinzipien aus anderen Kampfkünsten als sinnvoll und effektiv erweisen, können sie integriert werden. Überholte oder wirkungslose Elemente müssen nicht aus traditionellen Gründen beibehalten werden. Zur Ausbildung gehört nicht nur die unreflektierte Anwendung von Techniken, sondern es wird viel Wert gelegt auf die Verhältnismäßigkeit der angewandten Mittel. Heute finden sich im Ju-Jutsu Techniken aus dem Boxen, Kickboxen, Muay Thai, Wing Chung, Eskrima, Sambo, BJJ und vieles mehr. Es erinnert an Bruce Lees Vorgabe für sein Kampfsystem Jeet Kune Do: Absorb what’s useful.

Ok, wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist Ju-Jutsu also die allertollste Kampfkunst von der ganzen weiten Welt?! – Jein. In einer perfekten Welt wäre es wohl so. Du weißt schon welche ich meine. Die Welt, in der ein Tag 36 Stunden hat, ich nicht arbeiten muss, weil ich für mein gutes Aussehen bezahlt werde, ich jeden Abend mit Freunden und Familie rumhängen kann, 12 Stunden schlafen kann, ohne eine Kater frisch und munter aufwache und mindestens 8 Stunden für Kondition- und Kampfsporttraining habe :-)

In einer nicht ganz so perfekten Welt schafft man es vielleicht nur 2 bis 3 mal pro Woche zu trainieren. Mit diesem Pensum das ganze breite (wirklich sehr breite) Spektrum abzudecken ist fast nicht machbar. Entweder ich trainiere immer alles, dann aber zwangsläufig nur sehr oberflächlich. Oder ich konzentriere mich eine gewisse Zeit auf einen speziellen Bereich, nehme dann aber in Kauf, dass die vernachlässigten Bereiche darunter leiden.

Das Schöne ist, dass man von allem etwas mitbekommt. Die Kunst in der Anwendung gegen einen Spezialisten ist es jetzt, dessen Spezialgebiet zu vermeiden und den Kampf in anderen Bereichen zu führen. Durch das Wurftraining kann ich einige Techniken eines Judokas vermeiden, sollte mich aber nicht ernsthaft auf einen Wurfkampf einlassen. Die Taktik ist folgende: Treten und schlagen, Würfe vermeiden. Gegen einen Kickboxer ist es gerade umgekehrt.

Nur für’s Protokoll: Das funktioniert bei Sportlern, die in der gleichen Liga spielen. Kämpft ein Profi gegen einen Breitensportler, zieht Ersterer sein Ding durch.

Im Laufe der Zeit werden die meisten Ju-Jutsuka auf dem einen oder anderen Gebiet zu Spezialisten. Je nach Neigung, Talent und Einsatz. Nicht Spezialisten-spezialistenmäßig, sondern ich-mache-alles, -bestimmte-Bereiche-aber-intensiver-mäßig :-) Bei der tieferen Einarbeitung in eine Materie haben sie den Vorteil, dass ihnen kaum etwas so wirklich fremd ist. Dadurch finden sie normalerweise schnellen Zugang zu den von ihnen bevorzugten Bereichen.

Um es kurz zu machen: Ju-Jutsu kann heiß und scharf oder lauwarm fade sein. Der Unterschied wird durch drei Dinge bewirkt. Eigentlich sind die ultra geheim, aber weil du so lange durchgehalten hast, werde ich sie dir trotzdem verraten. Komm näher . . . noch ein Stück näher. Das Geheimnis lautet: Training, Training, Training.

Wir sehen uns. Rate wo, yes, im Training :-)